Funktionen 2: Extrovertiertes Fühlen Fe

In den letzten Einträgen habe ich die "Cognitive Functions" vorgestellt, durch die wir die Welt wahrnehmen und beurteilen. Jetzt werde ich genauer auf die einzelnen Funktionen eingehen.

Die am leichtesten erklärbare Funktion ist extrovertiertes Fühlen oder auf Englisch "extroverted Feeling" (Fe). Diese Funktion ist eine Judging-Funktion, d.h. durch sie bewerten wir Sachen. Ebenso wie introvertiertes Fühlen (Fi) bewertet Fe durch Gefühle. Fe stempelt Gegenstände, Personen, Handlungen mit "gut", "schlecht", "richtig", oder "falsch" ab. Wie ein innerer moralischer Kompass. Aber im Gegensatz zu Fi achtet Fe mehr auf die Gefühle der Menschen um sich herum, anstatt auf seine eigenen. Wenn also "Fe" eine Handlung als "gut" bewerted, dann ist sie gut nach den Idealen der Gesellschaft, den allgemeingültigen Idealen, oder gut für die Gesellschaft/ die Menschen um einen herum. Menschen mit starkem Fe stellen das Wohl der Gesellschaft häufig über das Wohl eines Einzelnen. Was nicht unbedingt heißen muss, dass sie weniger egoistisch sind. Beim Treffen einer Entscheidung bezieht Fe Werte, Ideale und die Gefühle anderer Menschen mit ein, objektive Daten und Effizienz hingegen haben keine so hohe Priorität (jedenfalls nicht für Fe; für den Menschen selbst können sie natürlich schon wichtig sein, aber dann benutzt er eine andere Funktion für seine Entscheidung). Helfen und Teilen bereitet Fe-Nutzern Freude.

Sie haben nicht nur eine Art Antenne für die Gefühle Anderer, sondern sind mit diesen auch durchgehend beschäftigt. Wenn Fe-Nutzer einen Raum betreten, spüren sie die emotionale Athmosphäre darin und nehmen diese häufig auch instinktiv als eigene Stimmung an. Sie adoptieren sozusagen die Gefühle der Menschen um sich herum. Oder sie versuchen, möglichst fröhlich zu sein, um diese Athmosphäre zu verbessern.  Jedenfalls werden sie von ihr in irgendeiner Weise beeinflusst und können sie spüren.

Oft sind Fe-Nutzer bemüht, die Athmosphäre lebendig und fröhlich zu halten, was dazu führen kann, dass sie manchmal viel und gerne reden, auch wenn sie vielleicht eigentlich introvertiert und still sind. Deshalb, und weil sie sehr expressiv sind, werden introvertierte Fe-Nutzer oft für extrovertiert gehalten.

Oft fühlen Fe-Nutzer die Gefühle Anderer sogar stärker, als ihre eigenen. Ihre eigenen Gefühle gehen nur selten besonders tief. Viele Fe-Nutzer denken mehr über ihre Gefühle nach, als sie sie wirklich fühlen. Sie fühlen trotzdem sehr viel, aber sie fühlen nach außen hin, nicht nach innen. Sie werden nicht so richtig berührt von ihren eigenen Gefühlen.

Aus diesem Grund halten Viele Fe-Gefühle für "nicht echt" und "gespielt". Fe-Nutzer geben auch ziemlich gute Schauspieler, Entertainer und Politiker. Es fällt ihnen leicht, Gefühle vorzuspielen, aber das heißt nicht, dass ihre Gefühle nicht genauso ehrlich sein können, wie die eines Fi-Nutzers.

Was ein Fe-Nutzer fühlt ist so leicht zu erraten, wie es ihnen fällt, die Gefühle anderer zu erraten. Wenn ihr es jemandem sofort anseht, wenn seine Gefühle verletzt wurden, dann hat er wahrscheinlich Fe. Fi-Nutzer tendieren dazu, sich nichts anmerken zu lassen und einfach weiterzumachen, während Fe-Nutzer zum Beispiel das Gesicht abwenden oder plötzlich still werden. 

Extrovertiertes Fühlen lässt sich auch viel leichter zu beeinflussen, als Fi. Wenn eure Gefühle z.B. von romantischen Filmszenen/ den Farben oder anderen Einflüssen aus eurer Umgebung schnell und stark beeinflusst werden, habt ihr wahrscheinlich Fe. Wenn ihr jemanden kennt, der von lauter Filmmusik besonders mitgerissen wird, stehen die Chancen hoch, dass er Fe nutzt.

Ebenso fällt es Fe-Nutzern leichter als Fi-Nutzern, die Gefühle anderer zu beeinflussen und zu manipulieren.

Menschen mit Fe als Haupt- oder Hilfsfunktion sind oft idealistisch und damit beschäftigt, anderen zu helfen. Moral schreiben sie groß. Sie wissen immer genau, was richtig und was falsch ist und haben zu allem eine Meinung. Sie sind nach außen "lauter"/aggressiver und überzeugter von ihrer Meinung, als nach innen.

Zusammengefasst:

Fe ist extrovertiert und steht deshalb insgesamt immer in Reaktion mit der Außenwelt. Man fühlt und zeigt es nach außen, es wird von außen beeinflusst. Man kommt an die Gefühle von Fe-Nutzern leicht ran, aber diese Menschen tief drin oder wirklich stark zu berühren, ist schwierig. Sie können die Gefühle anderer beeinflussen und verändern, und werden von diesen beeinflusst in ihrem Fühlen und den Entscheidungen. Fe-Gefühle können leicht gefaked und übertrieben wirken, dafür stellen Fe-Nutzer die Gefühle und das Wohl Anderer oft über ihr eigenes.

Fe ist objektiver und rationaler als Fi, was heißt, dass es auch von der Person selbst leichter steuerbar ist und diese oft auch bewusster fühlt als Fi-Nutzer.

Erkennen kann man Fe leicht daran, dass jemand seine Gefühle zeigt, nach außen wärmer und freundlicher wirkt, als er es vielleicht wirklich ist und eine belebte Mimik hat (jedenfalls, wenn er gerade Fe benutzt). Er drückt seine Gefühle aus und es fällt ihm leicht, über diese zu reden, was er oft auch gerne macht, jedenfalls, wenn er starkes Fe hat. Fe-Nutzer können einen Hang zum Dramatischen haben und echte Drama Queens sein. Fi-Nutzer hingegen behalten ihre Gefühle lieber für sich, sie wirken nach außen eher kühler und ihre Mimik ist meist unbewegt, wenn sie sprechen.

 

Das war natürlich noch längst nicht alles, was man über Fe sagen kann, aber um wirklich Bescheid zu wissen, muss man Fe-Nutzer in Aktion sehen.

Und natürlich treffen auch nicht alle diese Dinge auf jeden Fe-Nutzer zu. Besonders, wenn man Fe als dritte oder vierte Funktion hat, kann man zwar sozusagen den "Fe-Modus" aktivieren, in dem man gezielt Fe benutzt, um z.B. warm, freundlich und charmant zu wirken, wird aber von seinen Fe-Eigenschaften insgesamt nicht so viel mitbekommen, wie jemand mit Fe als Haupt- oder Hilfsfunktion.

3.4.15 15:33

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen