Die 16 Typen: Typen und Funktionen 1

Wie schon im letzten Eintrag erwähnt, kann man durch die beiden meistgenutzten "Cognitive Functions" eines Menschen auf seinen Typ schließen. Die "Namen" der Typen setzen sich jeweils aus vier Buchstaben zusammen.

Nach Keirsey und MBTI funktioniert das folgendermaßen:

1. Der erste Buchstabe ist entweder I oder E und steht für introvertiert oder extrovertiert. Wenn die Hauptfunktion eines Menschen introvertiert ist, gilt auch er als introvertiert und umgekehrt. Bei extrovertierten Menschen genauso.

Die offizielle Definition von Introversion ist, dass man seine Energie aus dem Alleinsein und aus sich selbst heraus gewinnt, während Extroversion besagt, dass man seine Energie aus der Umgebung und der Gesellschaft Anderer zieht. Genauere Beschreibungen liefern z.B. Wikipedia, ein meiner Meinung nach empfehlenswertes Video der Youtuberin Kelly MissesVlog ("Introvertiert VS Extrovertiert"; beachte besonders die eingeblendeten Zeichnungen) oder folgende Einträge.

2. Der zweite Buchstabe kann S für Sensing oder N für iNtuition sein. Das ist der am Schwersten erklärbare Unterschied. Dabei geht es darum, ob man die Welt eher über seine Sinne wahrnimmt und nur gegebenen Fakten vertraut oder ob man eher Eingebungen vertraut und seinem Instinkt und Bauchgefühl folgt.

Menschen mit Sensing-Präferenz sollen sich außerdem mehr auf Tatsachen, die Realität vor ihren Augen und Details konzentrieren, während intuitive Menschen das große Ganze, den roten Faden, die Zukunft oder Möglichkeiten im Blick haben. "Sensors" sind zudem eher praktisch veranlangt, "Intuitivs" eher theoretisch. Was aber nicht heißt, dass intuitive Menschen schlauer oder Sensing-Typen sportlicher sind. Auch diesen Punkt werde ich in folgenden Einträgen noch genauer erläutern.

Bei intuitiven Typen ist die Hauptfunktion oder die Hilfsfunktion entweder Ne oder Ni, bei Sensing-Typen Se oder Si.

3. Der dritte Buchstabe ist F, wenn die Haupt- oder die Hilfsfunktion eine Feeling-Funktion (Fe oder Fi) ist, oder T, wenn eine der beiden Funktionen eine Thinking-Funktion ist (Te oder Ti). Menschen, die in ihre Entscheidungen eigene Gefühle oder die anderer Menschen mit einbeziehen, sind "Feeler". Menschen, die alleine nach ihrer Vernunft entscheiden und Gefühle außenvor lassen, nennt man "Thinker". Das ist jedensfalls die am Häufigsten verwendete Erklärung, aber auch darauf werde ich noch genauer eingehen.

4. Der vierte Buchstabe ist ebenfalls nicht leicht zu erklären. Er kann entweder J oder P lauten, was für "Judging" (beurteilen) und "Perceiving" (wahrnehmen) steht.

Ein "Judger" ist man nach dem MBTI, wenn die Judging-Funktion (Beurteiluns-Funktion) unter den beiden ersten Funktionen nach außen gerichtet, also extrovertiert ist. Alle, die unter ihren beiden Hauptfunktionen Te oder Fe haben, sind demnach Judger und bekommen ein J als vierten Buchstaben.

"Perceiver" sind alle, deren Perceiving-Funktion extrovertiert ist, also alle Nutzer von Ne und Se.

Hierin besteht auch der Hauptunterschied vom MBTI zur Sozionik. In der Sozionik wird das "p" oder das "j" kleingeschrieben. Ein "j" bekommt man, wenn die Hauptfunktion eine Judging-Funktion ist, also wenn die erste Funktion Fi, Ti, Fe oder Te ist. Bei Si, Ni, Se und Ne als Hauptfunktion bekommt man ein "p".

Judger treffen Entscheidungen schneller und treffen sie auch entgültig, sind also etwas sturer und schwerer von ihrer Meinung abzubringen, die sie nach außen hin stark vertreten. Sie planen voraus, schreiben und halten sich an To-Do-Listen (also nicht immer, aber eher als Perceiver es tun würden) und gelten generell als ordentlicher. Sie arbeiten ergebnisorientiert. Sie fühlen sich oft sicherer mit Regeln.

Perceiver treffen sozusagen "Übergangsentscheidungen", die sich beim Erhalten einer neuen Information/durch neue Argumente schnell wieder ändern lassen. Endgültigkeit vermeiden sie. Sie gelten als spontaner und chaotischer und passen sich eher den Umständen an als Judger. Sie bewerten und beurteilen weniger und langsamer. Sie interessieren sich mehr für den Weg, als für das Ziel. Von Regeln fühlen sie sich oft eingeengt.

Wenn man also weiß, dass nennen wir sie mal Chantall die Hauptfunktion Se und die Hilfsfunktion Fi hat, kann man so auf ihren Typ schließen:

Ihre erste Funktion Se ist extrovertiertes Sensing, d.h., sie ist extrovertiert:

Exxx

Ihre erste Wahrnehmungs-Funktion ist dann logischerweiße auch Se, d.h., sie hat einen "Sensing-Typ":

ESxx

Ihre bevorzugte Beurteilungs-Funktion ist Fi, d.h., sie hat eine Feeling-Präferenz:

ESFx

Ihre Beurteilungs-Funktion ist nach innen gerichtet, ihre Wahrnehmungsfunktion nach außen, d.h. nach außen hin nimmt sie mehr wahr, als sie beurteilt => sie ist eine Perceiver:

ESFP (in der Sozionik: ESFp)

Wenn man jetzt umgekehrt weiß, dass nennen wir ihn Max ein INTP (Sozionik: INTj) ist, kann man so auf seine Funktionen schließen:

Max ist ein Perceiver, seine Judging-Funktion muss also introvertiert sein. Er hat eine Thinking-Präferenz, folglich ist diese Funktion eine Thinking-Funktion. D.h., seine Judging-Funktion ist introvertiertes Thinking (Ti).

Seine Perceiving-Funktion muss demnach extrovertiert sein. Da der zweite Buchstabe N ist, ist diese Funktion extrovertierte Intuition (Ne).

Seine beiden ersten Funktionen sind also Ne und Ti. Bleibt noch die Frage, welche die Hauptfunktion ist.

Da Max introvertiert ist, muss seine Hauptfunktion dies auch sein => Ti ist seine Haupt- und Ne seine Hilfsfunktion.

 
Eine "Warnung" zum Schluss: Wenn ihr euren Typ herausfinden wollt, geht nicht einfach danach, ob ihr euch für introvertiert, theoretisch, fühlend oder spontan haltet. Man kann nicht einfach sagen: "Ich bin gern allein, Realist, entscheide nach Verstand und Regeln mag ich auch nicht, ich muss also ISTP sein." und sich nachher beschweren, wenn die Beschreibungen von ISTPs nicht wirklich auf einen passen. Diese Statements gelten für fast jeden. Es ist insgesamt ratsam, erst seine Funktionen herauszufinden und dadurch auf den zugehörigen Typ zu schließen.

Das wars fürs erste, aber die versprochenen Fortsetzungen folgen

2.4.15 20:52, kommentieren

Funktionen 1: Einführung

Die Basis für sowohl MBTI als auch Sozionik sind sogenannte "Cognitive Functions". Der Schweizer Carl Jung war der erste, der festgestellt hat, dass es diese Funktionen gibt. Sozionik, Keirsey und MBTI haben später auf seine Theorien aufgebaut, sie korrigiert und weiterentwickelt. Die verschiedenen Funktionen beschreiben die Art, wie wir denken, fühlen, Entscheidungen treffen und die Welt wahrnehmen.

Insgesamt gibt es acht solcher Funktionen, vier introvertierte und vier extrovertierte. Die introvertierten Funktionen sind allgemein nach innen gerichtet, komplexer und subjektiv, die extrovertierten nach außen gerichtet, objektiv und rationaler. Was das genau heißt, werde ich später noch an den einzelnen Funktionen erklären.

Dann gibt es je vier Wahrnehmungsfunktionen und vier Beurteilungsfunktionen.

Bei den Wahrnehmungsfunktionen unterscheidet man zwischen Intuition, also intuitiver Wahrnehmung (Intuition) und Sinneswahrnehmung (Sensing). 

Extrovertierte Intuition    Ne

introvertierte Intuition     Ni

extrovertiertes Sensing    Se

introvertiertes Sensing     Si

sind also die vier Wahrnehmungsfunktionen. Durch sie nehmen wir die Welt wahr.

Bei den Beurteilungsfunktionen unterscheidet man zwischen Denken (Thinking) und Fühlen (Feeling).

Extrovertiertes Denken   Te

introvertiertes Denken    Ti

extrovertiertes Fühlen     Fe

introvertiertes Fühlen      Fi

sind die vier Beurteilungsfunktionen. Durch sie beurteilen, bewerten wir die Welt und treffen Entscheidungen.

Später werde ich auf jede einzelne Funktion genauer eingehen.

Obwohl jeder Mensch jede Funktion hat und auch jede im Laufe seines Lebens mal benutzt, gibt es für jeden Funktionen, derer er sich häufiger bedient und welche, derer er sich fast nie bedient. Auf diesen Präferenzen beruht Typologie.

Jeder von uns hat eine Hauptfunktion, die er nicht nur am Öftesten verwendet, sondern die auch seine anderen Funktionen sozusagen koordiniert, und eine Hilfsfunktion, seine zweite Funktion.

Dabei muss die Hilfsfunktion immer das Gegenteil der Hauptfunktion sein. Wenn also die Hauptfunktion eine extrovertierte Beurteilungsfunktion ist, ist die Hilfsfunktion eine introvertierte Wahrnehmungsfunktion. Z.B. wenn jemand Si als Hauptfunktion hat, muss seine zweite Funktion entweder Te oder Fe sein.

Wenn man diese beiden ersten Funktionen kennt, kann man jeden Menschen einen der 16 Typen zuordnen und damit verblüffend viele Aussagen über ihn treffen. Wie das funktioniert, werde ich in einem der folgenden Einträge erklären.

Wenn ihr herausfinden wollt, welcher Typ eurer ist, gibt es theoretisch einige Tests im Internet, z.B. auf Charaktertest.net. Die Erfolgsquote dieser Tests ist aber leider nicht besonders hoch. Letztendlich muss also jeder selbst herausfinden, welcher sein Typ ist. Tests können höchstens zum besseren Verständnis der Theorie beitragen.

2.4.15 15:48, kommentieren

Hallo und willkommen in meinem Blog!

Ich werde hier ein bisschen über Typologie reden. Genauer gesagt über Jung, Keirsey, Myers-Briggs, Sozionik, Enneagramm usw. Aber ich bin selbst kein wirklicher Experte, also erwartet nicht allzu viel Hintergrundwissen von mir. Ich werde eher über das reden, was ich weiß oder selber herausgefunden habe. Falls ihr irgendwelche Fragen zum Thema habt, könnt ihr sie gerne stellen. Oder ihr googelt die Antworten, aber dann solltet ihr einigermaßen Englisch können. Das ist auch der eigentliche Grund für diesen Blog: In Deutschland sind MBTI und Co. kaum bekannt. Und das finde ich etwas schade, weil es nicht nur ein extrem interessantes Thema ist, sondern man auch eine Menge über Menschen lernen kann. Ich bin da zwar vielleicht nicht der beste Lehrer, aber wenn ich irgendwen dazu bringen kann, sich näher mit dieser Theorie auseinanderzusetzen, reicht mir das völlig.

Also, viel Spaß beim lesen! Aber Vorsicht: Glauben auf eigene Gefahr! Alles, was ich schreibe, beruht auf Pseudowissenschaft! Bleibt skeptisch und denkt selbst mit!

2.4.15 13:47, kommentieren